Ocak 2009
Kappadokien zählt nicht ohne Grund zum
UNESCO-Weltkulturerbe. Als ich mich dem
Städtchen Ürgüp, dem »Tor Kappadokiens«,
nähere, umfängt mich sofort der Zauber dieser
einzigartigen Landschaft. Lava, Wasser, Wind und
Wetter haben eine bizarre Wunderwelt mit riesigen
Felsenkegeln in fantastischen Formationen und
weich geschwungenen Gesteinsfalten geschaffen.
Viele der Kegel, von den Einheimischen »Feenkamine
« genannt, sind durchlöchert von dunklen
Nischen und Höhlen, die scheinbar unerreichbar in
luftigen Höhen schweben. Tatsächlich sind dies
menschliche Behausungen. Mit den Händen und
primitiven Werkzeugen wurden ganze Räume in
das weiche vulkanische Tuffgestein gegraben.
Zugänglich sind diese nur über versteckte labyrinthartige
Tunnelgänge tief im Innern.
Die ersten Wohnhöhlen in Kappadokien entstanden
vermutlich vor über 4.000 Jahren. Im dritten Jh.
schufen dann frühchristliche Gemeindenzahlreiche
Höhlenkirchen und -klöster, in denen Mönche
Zuflucht vor den einfallenden Arabern fanden.
Eine kopfsteingepflasterte Seitenstraße führt
zum Hotel »Yunak Evleri« in Ürgüp – Hotel? Felswand
wäre passender. Die Suiten und Hotelzimmer
liegen verborgen in den Höhlen der Felsenwände.
Die Räume in höheren Lagen sind erreichbar
über vorgebaute Treppen oder durch
verwinkelte schmale Gänge im Fels.Wo man auch
hinschaut, jede Mulde, jede Gesteinsformation
scheint geschichtsträchtig. Tatsächlich, erklärt mir
Hotel-Manager Okan, fungierten einige der Höhlen
in den Felswänden des »Yunak« im 4. und 5.
Jh. als Kirchen. Schwach erkenne ich noch rötliche
Kreuze an den Wänden. Andere der insgesamt
27 Höhlen, die zum Hotel gehören, dienten ehemals
als Vorratskammern, manche noch bis vor
kurzem als Wohnhäuser.
Mein Höhlenzimmer ist geschmackvoll, dabei
recht sparsam ausgestattet mit türkischen Teppichen,
schweren Metallbetten und antikem Mobiliar
aus edlem Holz. Es ist dunkel. Schwere Vorhänge
aus Brokat verhängen die wenigen Fensteröffnungen.
Und warm ist es, auch ohne Heizung.
Die Höhlen isolieren hervorragend die bittere Winterkälte
Kappadokiens (bis minus 40 Grad) und kühlen
im heißen Sommer (bis 35 Grad). Steinzeit-Feeling
kommt im Hotel aber trotzdem nicht wirklich
auf: Der Jacuzzi wartet im Marmorbad, und die wertvollen
Antiquitäten sind gefüllt mit Hightech-Stereoanlage,
Fernseher und DVD-Player.
DAS HOTEL
Das »Yunak Evleri« befindet sich am Rande des
15.000-Einwohner-Ortes Ürgüp unweit der touristischen
Highlights Kappadokiens. Es bietet komfortable,
mit Antiquitäten und High-Tech ausgestatte
Zimmer (EZ/DZ ab US$ 150/180). Internetnutzung
für Gäste kostenfrei.
Kontakt: Tel. 0090-384-3416920, Fax -34160924,
www.yunak.com
ANREISE
75 Kilometer vom Flughafen Kayseri und 200 Kilometer
südöstlich von Ankara.
ERLEBEN
Vom »Sunset Point« aus (rund 30 Autominuten von
Ürgüp) führen mehrere schöne Wanderwege durch
verwunschene Täler, z. B. durch das Güllüdere Valley.
In der Höhlenkirche am Wegesrand haben sich
etwa im Jahr 900 flüchtende Christen versteckt. Der
Weg führt bei Cavusin vorbei an verlassenen
Felsenwohnungen, die noch bis in die 60er
Jahre hinein bewohnt waren. Highlight am
Schluss ist das berühmte
Mönchs -
tal mit seinen
phallusartigen
Felstürmen. Hier
lässt man sich
am besten abholen
(Kleinbus für
bis zu 13 Pers.
€ 60/Tag).
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